Kipphebellagerung XS400 OHC Motor
Wie die meisten Motoren älterer Bauart, die ähnlich zur XS400 OHC konstruiert wurden,
hat auch die XS400 Baureihe Probleme mit den Kipphebel-Lagerungen.
Aufgefallen ist mir dies nach dem ich 12 Wellen ausgebaut hatte und nur noch eine Welle noch so halbwegs brauchbar war.
Konstruktion:
Die vier sich im Zylinderkopfdeckel befindlichen Kipphebelwellen sitzen jeweils rechts und links
in einem Aluminium Lagerbock der Bestandteil des kompletten Gussdeckels ist.
Auf der rechten Motorseite verschließen zwei Schraubstopfen die Einbauöffnungen.
Zwischen Stopfen und Kipphebelwelle befindet sich ein O-Ring dieser soll das unerwünschte Drehen der Welle im Alulager verhindern.
Auf der linken Seite übernehmen zwei Gummistopfen die komplette Aufgabe.
Schmierung:
Die Schmierung der Lagerstellen erfolgt rein nach dem Zufallsprinzip.
Schmierstoff wird hier nicht gezielt an die Lagerpunkte geführt.
Die Schmierung erfolgt lediglich durch Spritzöl welches durch bewegte Teile aufgewirbelt wird.
Im Falle der XS400 hat der Kipphebel jeweils nur eine Bohrung auf der Oberseite,
im Bereich der Lagerbuchse. Man kann nur hoffen das sich immer genug Öl dorthin verirrt.
Problematisch ist dies vor allem wenn das Öl kalt und zäh ist.
Aber auch altes Öl, dessen Schmiereigenschaften schon nachgelassen hat, kann zu Schäden führen.
Ein Schaden bleibt meist lange unentdeckt, da er nur zu erkennen ist, wenn die Kipphebelwellen ausgebaut werden.
Wenn der Schaden von außen bemerkt wird, (z.B. durch Geräusche) dürfte es in den meisten Fällen für eine Reparatur zu spät sein.
Als erstes frisst sich der Kipphebel auf der Welle fest.
Die Kipphebelwelle beginnt sich dann im Alu zu drehen (was ja durch einlegen von O-Ringen bzw. anpressen der Gummistopfen verhindert werden soll).
Wenn die Wellen nun dort auch fressen, wird der Ventiltrieb schnell erhöhte Spiel bekommen.
Wobei das Ventilspiel sich dann schnell ändert und nachher kaum noch einstellbar ist.
Achtung:
Bei einem gesunden Motor verändert sich nach der Einlaufphase das Ventilspiel nur noch sehr wenig und das nur über eine Längere Laufzeit.
Ein sich stark änderndes Ventilspiel ist immer ein Hinweis auf einen Verschleiß bzw. Defekt.
Interessant ist, dass die Kipphebelwelle keine spezielle Oberflächenhärtung besitzt, sondern nur geschliffen ist.
Das Material der Kipphebel ist deutlich härter und zäher als das der Wellen.
Daher sind die Kipphebel meist trotz beschädigter Wellen noch brauchbar.
Bei einer Motorrevision in jedem Fall die Wellen ziehen und kontrollieren.
Die ist auch mit ein wenig Geschick bei zusammengebautem Motor möglich.
Wenn die Nockenwelle sich in der Position zum Ventilspiel einstellen befindet ist der
Kipphebel entlastet und die Welle lässt sich ziehen.
Wellen mit beginnenden Fresserspuren unbedingt erneuern!
In dem Fall sollte der Deckel aber in jedem Fall abgenommen werden und die Lagerfläche im Kipphebel ebenfalls kontrolliert werden.
Eine mögliche Verbesserung bringt das Aufschleifen der Ölbohrung in Form einer kleinen Pfanne, die das Öl gezielt Richtung Bohrung leitet.
Das läst sich recht einfach mit einem Stabschleifer und konische Schleifstein machen.
Bohren oder Senken geht auf Grund der Materialhärte nicht.
Und wenn der Motor bei einer Revision schon mal offen ist........
Gruß Frank